Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus.
Kontinuitäten und Brüche einer Wissenschaft zwischen der Weimarer Republik und der Gründungsphase beider deutscher Staaten
Tagung im Kunsthistorischen Institut der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 12.-14. Oktober 2006
Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Fachs Kunstgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus ist nach wenigen Vorarbeiten in Gang gekommen und wird nun systematisch verfolgt. Das Ziel der Tagung ist eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Diskussionen und des erreichten Grades der Aufarbeitung der Thematik. Dabei soll ein ausdrücklicher Schwerpunkt aller Beiträge auf der institutionellen Verankerung des Faches im Bereich der Universitäten und Forschungsinstitute liegen, der freilich die Verschränkung mit den Bereichen Museum, Denkmalpflege und Kulturpolitik berücksichtigen soll. Angestrebt ist überdies eine Diskussion der Probleme jenseits des engeren Zeitrahmens der Jahre 1933-1945 sowie ein Austauch über interdisziplinäre Datenbankprojekte.
Es ist geplant, einzelne Sektionen mit spezifischen Oberthemen zu bilden. Das betrifft etwa die Universitätsgeschichte, das universitäre Milieu insgesamt und die hier ermöglichten oder verhinderten Karrieren (auf allen Ebenen: im Rahmen von Dissertationen, im Mittelbau, bei Großprojekten und außeruniversitären Forschungsinstitutionen). Ferner die Problematik der Selbstregulierung bis ,Selbstgleichschaltung' sowie das generelle Verhältnis von Individuum und System im NS. Neben den Institutionen und Personen (den intellektuellen und wissenschaftlichen Eliten) stellen die Methoden des Faches auf einer konzeptuellen Ebene ein drittes zentrales Themenspektrum dar. In der Wissenschaftsgeschichte interessieren Fragen wie die nach der Topik der kunsthistorischen Sprache, nach ästhetischen Kategorien, Leitbegriffen und deren semantischer Umdeutung sowie generell die Frage nach Paradigmenkämpfen, nach der methodischen Ausrichtung und Selbstreflexion des Faches, möglicherweise sogar in Abgrenzung zu Entwicklungen außerhalb des Deutschen Reichs und mit Blick auf exilierte Kollegen. Eine von Informatikern geleitete Sektion soll den Austausch über unterschiedliche Datenbankprojekte (in Archiven und den geisteswissenschaftlichen Disziplinen) sowie Diskussionen über den Mehrwert interdisziplinären Arbeitens intensivieren. Zudem wird eine Informationsbörse für Nachwuchswissenschaftler die Kurzpräsentation von Magister- und Promotions-projekten ermöglichen.
Die projektierte Tagung steht im Zusammenhang mit einem seit 2004 laufenden interdisziplinären Forschungsprojekt, an dem die kunsthistorischen Institute der Universitäten Berlin (HU), Bonn, Hamburg und München sowie das Institut für Softwaresysteme der TU Hamburg-Harburg beteiligt sind. (Informationen unter: http://www.welib.de/gkns) Bewerbungen von MagistrandInnen und DoktorandInnen sind ausdrücklich erwünscht und würden uns sehr freuen. Vorschläge in Form einer einseitigen Skizze sind bis 15. Dezember 2005 an folgende Adresse erbeten:
PD Dr. Olaf Peters Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 1, 53113 Bonn