Das Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München
Der erste kunsthistorische Lehrstuhl wurde in München nach der Jahrhundertwende eingerichtet. Kunsthistorische Interessen haben allerdings schon im 19. Jahrhundert die Geisteswissenschaften an der Münchner Universität mitgestaltet, jenseits institutioneller Bindungen sind die Grundlagen kunstgeschichtlicher Fragestellungen in München mitgelegt worden. Mit Heinrich Wölfflin wurde das Fach bis in die 1920er Jahre von einem Kunsthistoriker vertreten, der der deutschen Kunstwissenschaft bis heute andauerndes internationales Renommee erwirkte. Drei Professoren aber haben die Münchner Kunstgeschichte für den Zeitraum der Weimarer Republik bis zum Ende der 1950er Jahre geprägt: Mit Wilhelm Pinder kam 1927 ein Hochschullehrer auf den Lehrstuhl, der das Fach eher ebenso sehr aus genialischer Intuition denn wie aus analytischem Scharfsinn heraus betrieb. Als wichtiger Verfasser der "Blauen Bücher" ist er bis heute einer der meist gelesenen Kunsthistorikerpersönlichkeiten überhaupt geblieben. Als Erforscher der deutschen Kunst, besser noch: des Deutschen in der deutschen Kunst, widmete er sich Problemen, die dem Völkischen entgegenkamen. Auch wenn Robert Suckale in einem heftig umstrittenen Beitrag Pinders nationalsozialistische Tendenz relativierte, wird man nicht umhinkönnen, die Tatsache der Berufung Pinders nach Berlin auf einen deutlich dem nationalsozialistischen Zentrum zuarbeitenden Lehrstuhl auch als politisches Bekenntnis zu werten. Die konkrete Einbindung seiner Münchner Lehrtätigkeit in die kulturellen Aktivitäten der "Hauptstadt der Bewegung" liegt aber bis heute im Dunkeln, der starke Zulauf, den seine Vorlesungen und Vorträge erfuhren, lässt seine herausragende Rolle als öffentliche Figur des Kulturlebens jedoch deutlich hervortreten. Schwieriger zu fassen ist die Verbindung kunstgeschichtlicher Forschung mit dem Zeitgeschehen im Fall des 1935 nach München berufenen Hans Jantzen. Geprägt durch die Phänomenologie Edmund Husserls, ist Jantzen zu einem Mitbegründer der modernen Gotikforschung geworden, sein Begriff des "Diaphanen" ist bis heute Grundbestandteil jeder Architekturanalyse der gotischen Kathedrale geblieben. Versuche, wie derjenige Jutta Helds, seinen Raumbegriff mit dem der nationalsozialistischen Lebensraum-Ideologie in Zusammenhang zu bringen, bedürfen der Präzisierung. Jantzens befürwortende Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime aber ist aktenkundig. Wie dieses sich jedoch in der kunsthistorischen Alltagspraxis ausgewirkt hat, bleibt wie im Falle Pinders zu erforschen. Noch stärker als an anderen Universitäten stellt sich in München die Frage nach der Kontinuität einer nationalsozialistisch durchdrungenen Kunstgeschichte bis in die fünfziger Jahre hinein. Die Berufung des in seiner vorherigen Wiener Zeit einschlägig notorisch gewordenen Hans Sedlmayr auf den Lehrstuhl im Jahr 1951 ist zu einem Skandalon geworden. Sein beherzter Kampf gegen die Moderne verlagerte - bei aller Scharfsinnigkeit - auf geradezu diabolische Weise die Schuldfrage und hat in München lange Zeit eine unvoreingenommene Rezeption zeitgenössischer künstlerischer Phänomene erschwert, gar verhindert. Als Sitz der Deutschen Akademie nahm München auch für die gesamtdeutsche wissenschaftliche Kunstgeschichte eine zentrale Stellung ein. Die Ideologisierung der Kunstgeschichte an der Akademie -, Leiter der Abteilung "Deutsche bildende Kunst" war Hans Jantzen -, und ihre geisteswissenschaftlichen Publikations-Kampagnen sind nach wie vor ein kaum bearbeitetes Gebiet. Zudem war München als Standort vieler Kunstverlage ein Zentrum der Kunstpublizistik im Dritten Reich. Unternehmen wie Bruckmann oder der Neue Filser Verlag arbeiteten mit zahlreichen namhaften Kunsthistorikern zusammen, insbesondere die populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen dieser Zeit sind beträchtlich. |